Crazy Ones

So lautete die Werbung von Apple. Damals war Apple noch meilenweit davon entfernt in Unternehmen eine Relevanz zu haben. Die Aussagen waren auch globaler gemeint als Einfluss in Unternehmen. Aber die “crazy ones” in Unternehmen interessieren mich.

Die Leute ohne Respekt für Status Quo. Leute die Dinge einfacher machen wollen. Leute die sich von Prozessen und schleppenden Entscheidungswegen nicht entmutigen lassen. Leute die Dinge aus der Consumer-Welt nehmen und sie für Unternehmen tauglich machen. Und diese Kombination, diese Iteration bringt uns weiter. Wir werden damit nicht die Welt verändern, doch sicherlich auf Powerpoint Berge erklimmen, Segelrennen gewinnen oder Türme bauen.

Die Unternehmensinformatik hat schon lange die Herausforderung mit verschiedensten Anforderungen umgehen zu müssen. Die Vergleiche aus dem Konsumentenmarkt nahmen aber stark zu, seit Web-Technologien leistungsfähige Anwendungen möglich machen. Während “Consumerization” sich anfangs noch auf Hardware beschränkte (Speicherplatz, Netzwerkgeschwindigkeiten, Optik), wurde es erst mit Web 2.0 haarig in Unternehmen. Diese Unterschiede liessen sich nicht mehr so einfach erklären. Integration fehle, war das Zauberargument das aber niemand versteht. Die Hersteller von Unternehmenslösungen liessen sich von den Entwicklungen im Konsumentenmarkt inspirieren und brachten, zugegeben mit gewissen Verspätungen, ähnlich leistungsfähige, bedienbare und gefällige Lösungen. Mit dem Schlagwort Enterprise 2.0 hatten wir ein Software-Set, eine ganze Branche an Beratern und einzelne Fallstudien zufriedener Anwender vorzuweisen. Die Welt war wieder in Ordnung. Bis dann oben zitierter Herr 2007 auf die Bühne stand und die Welt veränderte. Sein Smartphone sollte den gesamten Markt verändern…

Es sind diese Iterationen welche Unternehmensinformatik verändern und weiter bringen. Vor Web 2.0 war ein dunkles Zeitalter in dem sich im Sinne der Anwender sehr wenig veränderte. Überladene GUIs, Hardware die als Rohindustrie durchgehen würde und die technologische Festkettung an den fix zugeteilten Büroplatz schienen der Endbahnhof zu sein. Doch durch Angebote für Konsumenten, daraus entstehender Druck für bestehende Unternehmenslösungen und die Adaption von Konzepten (oder gar Lösungen) aus dem Konsumentenmarkt konnten wir uns aus dieser Innovationsblockade befreien. Umgekehrt profitiert auch der Konsumentenmarkt von Unternehmensanforderungen. Backup/Restore oder Endgeräte- und Datensicherheit sind klassische Disziplinen in Unternehmen. Deren Adaption von Apple, Google und Co. macht das Erlebnis für Anwender besser.

Wenn man den Vergleich zwischen Unternehmens- und Konsumentenlösungen bringt, kommen die Vertreter der “reinen Lehre”. Die Iteration zwischen den Welten bringt Kompromisse mit sich. Nur selten wird ein Funktionsumfang unverändert übernommen. Diese Kompromisse sind verschiedenen Rahmenbedingungen geschuldet. Unternehmen waren und werden wohl nie UX-Champions. Sie haben wirtschaftliche Limitationen, die in Anwenderfunktionen immer auch eine gewichtige Rolle spielen. Das ist in der reinen Lehre schade, im Sinne von Weiterkommen aber irrelevant. Der Fortschritt kann und entsteht nicht nur, wenn der volle Funktionsumfang besteht, sondern bereits mit einem “minimum viable product”. 
 Drum meine Hoffnung in die Zukunft: Mögen die “crazy ones” weiterhin Lösungen suchen und finden. Interationen zwischen den Welten anstreben und uns so weiter bringen. Mögen sie sich nicht von “Bewahrern oder Hoffenden” aufhalten lassen und auf absolute Lösungen warten. Den Leute die irre genug sind zu glauben sie könnten Unternehmen verändern, sind solche die es tun.